Persönliche Gedanken zur Hundehaltung

oder

„Warum läuft es bei manchen so einfach und harmonisch?“

Mit Basha lebt jetzt der dritte eigene Hovawart in unserer Familie und vor ihrem Einzug habe ich mich gefragt, wie es wohl werden würde. Bis dahin war immer alles so einfach und wir hatten so ein unsagbares Glück mit unseren Hunden. Was, wenn nun durch den anderen Charakter des neuen Hundes das ganze Gefüge ins wanken geraten würde.

Eine Freundin, mit der ich darüber sprach, lachte mich aus und sagte, dass auch der nächste Hund wieder der allerbeste der Welt werden würde, und dass es bei uns keine Probleme geben würde. Ich fand die Behauptung mutig und habe gespannt beobachtet. Jetzt kann ich sagen: „Sie hatte recht.“ Auch mit Basha ist es so leicht und selbstverständlich und alles was uns wichtig ist, läuft praktisch wie von selbst.

Aber warum? Es ist ja nicht in jedem Hundehaushalt so entspannt und einfach.

Wir sind beileibe keine Hundeprofis oder Hundeflüsterer und auch keine Hundesportler…. nur ganz einfache Normalos, warum läuft es also?

Ich habe mich auf die Suche gemacht und verglichen und beobachtet und tatsächlich ein paar Verhaltensunterschiede ausgemacht.

Ich glaube, das wichtigste, egal wie gut ausgebildet man selbst im Umgang mit Hunden ist, ist die Authentizität.

Hunde sind Meister darin, uns zu lesen. Sie haben den ganzen Tag Zeit, unser Verhalten zu studieren und sie kennen uns oft besser als wir selbst. Wenn wir ihnen etwas vorspielen, das nicht der Wahrheit entspricht, verunsichert es sie und nimmt ihnen das Vertrauen in uns.

Ehrlichkeit und Fairness ist wichtig. Wenn ich ein Verhalten nicht gut heiße, dann zeige ich es dem Hund unmittelbar und ebenso handhabe ich es mit positivem Verhalten. Oft reicht ein Stirnrunzeln oder leichtes Kopfschütteln oder ein kleines Lächeln oder Zwinkern. Als ganz abschreckendes Beispiel hat sich eine Begebenheit am Rande eines Hundeplatzes bei mir eingebrannt. Ich stand als Greenhorn und Neuling auf dem Platz einem langjährigen Mitglied des Vereins gegenüber und hörte zu was er mir zu sagen hatte. Sein Hund stand neben ihm, sozusagen im „Standby-Modus“. Mitten in einem Satz machte der Besitzer eine fast unmerkliche Pause, sagte „Sitz“ und setzte seine Erklärungen fort. Als er am Ende des Satzes angekommen war, donnerte er dem Hund die Hand auf den Kopf, der augenblicklich zusammenklappte und mit eingezogenem Kopf saß. „Der weiß genau wofür das war!“ war die Entgegnung auf mein entsetzes Gesicht.

Definitiv wusste der Hund nicht wofür er gestraft wurde, er war ja gar nicht „anwesend“ als das beiläufige Kommando fiel.

Man muss fair sein und dem Hund eine Chance geben etwas richtig zu machen. Ein kleines Geräusch, der Hund schaut und man kann ihm „sagen“ was man von ihm möchte. In der Regel tut er es dann auch, wenn er versteht was wir von ihm möchten.

Das gilt in allen Lebenslagen. Bevor ich etwas von meinem Hund (im Freizeitmodus) verlange, mache ich ihn freundlich aufmerksam, eigentlich hat man sowieso irgendein Aufbruchsignal in seinem normalen Sprachgebrauch..“So“ oder „Na,dann“ oder ein tiefes Einatmen, man muss sich nur mal selbst beobachten. Das konsequent beibehalten ist ein Signal für den Hund, dass etwas passiert und er ist einfach aufnahmefähiger.

Oft beobachte ich Menschen beim Spiel mit ihrem Hund. Da wird angetäuscht und der Hund rennt einem Phantom hinterher „ha ha ha“ wie lustig. Warum? Davon hat doch keiner etwas. Wenn ich sage, ich werfe, dann tue ich es auch… ich mache sogar noch ein „Abwurfgeräusch“ was natürlich nur eine Marotte von mir ist aber der Hund kann dann tatsächlich schon die Wurfrichtung „abscannen“ und sich auf die folgende „Jagd“ konzentrieren.

So durchschaubar versuche ich in allen Lebenslagen für meine Hunde zu sein, sie sollten optimalerweise immer wissen was sie von mir zu erwarten haben, ob ich zufrieden oder unzufrieden bin.

Zugewandtheit halte ich für einen weiteren sehr wichtigen Punkt. Ich wollte meine Hunde, ich habe sie mir ausgesucht, sie wurden nicht gefragt. Ich versuche ihnen immer zu vermitteln, dass sie willkommen sind und zu uns gehören.

Ich antworte auf ihre Fragen.

Wie? Zum Beispiel beim Spaziergang. Regelmäßig schauen uns die Hunde an, das tut anfangs jeder Hund. Meist wird das fragende Schauen aber ignoriert und darum geben die Hunde es auf, nachzufragen, ob sie weiter laufen dürfen oder ob abgebogen werden soll etc.. Warum nicht genau das bestätigen. Es ist doch toll, wenn sie uns frage. Das gleiche gilt bei uns in Haus und Garten. Basha „fragt“ abends, ob wir nach oben gehen oder ob wir noch unten bleiben. Sie steht dann vor der Treppe und schaut fragend nach oben und uns an. Planen wir innerhalb der nächsten Minuten hoch zu gehen, sagen wir ihr, dass sie ruhig schon vorgehen kann ansonsten gibt es ein bedauerndes „einen kleinen Moment noch“… so ist es mit dem Spaziergengehen, dem Füttern oder sonstigen alltäglichen Begebenheiten und natürlich halten wir uns auch bestmöglich daran.

Wir haben immer versucht unsere Hunde zeitlebens lernen zu lassen. Das geht auch sehr gut abseits von Hundeplatz oder Hundeschule. Es gilt Herausforerungen zu schaffen, gut dosiert, damit sie am Ende immer als Gewinner dastehen. Ein Beispiel sind die oben abgebildeten großen Rundballen. Die Hunde müssen sich abnfangs sehr überwinden, von den hohen Ballen auf unsere Schultern und Arme herunter zu klettern. ABER, wie stolz sind sie, wenn sie es dann geschafft haben. Das gleiche gilt für schmale Stege über tiefe Gräben, weite Umwege von Deichscharte zu Deichscharte oder das Erklimmen eines Hochsitzes. Man muss sich natürlich langsam herantasten, damit jede Übung mit einem Erfolg beendet werden kann… aber das macht die Hunde stolz und selbstbewusst und sie wagen sich an immer mehr herausforderungen heran. Wenn man die Augen offen hält, ist für jeden Hund auf jedem Spaziergang ein kleines Abenteuer drin.

Und zum Schluss aber ganz wichtig:

Hunde haben Rechte!

Sie haben das Recht auf Unversehrtheit, artgerechte Ernährung (wobei sich die Geister über die beste Fütterungsart vortrefflich streiten – ich werde das heiße Eisen nicht anfassen), ausreichend Beschäftigung und damit ist nicht nur die körperliche Auslastung gemeint und ebenso ausreichende Ruhephasen und Rückzugsmöglichkeiten. Ich finde sie haben auch ein Recht darauf geliebt zu werden, denn sie lieben uns, ob wir es verdient haben oder nicht.

Wie gesagt, das sind meine persönlichen Beobachtungen und meine Überlegungen dazu, warum es bei vielen Hund-Mensch-Teams einfach rund läuft und bei anderen nicht. Ich denke in 99% der Fälle, wo es nicht so gut funktioniert, liegt das Problem am oberen Ende der Leine.